Susanne Klischat 5. Juni 1996
primus labor inchoare sulcos
et rescindere limites et alto
egestu penitus cavare terras;
mox haustas aliter replere fossas
et summo gremium parare dorso,
ne nutent sola, ne maligna sedes
et pressis dubium cubile saxis.
tunc umbonibus hinc et hinc coactis
et crebris iter alligare gomfis.
...
...opusque texunt cocto
pulvere sordidoque tofo (Statius, Silvae IV 3. 40ff.)
Die erste Arbeit ist, Furchen anzufangen
und Grenzen zu reißen
und mit tiefer Ausschachtung das Erdreich ganz auszuhöhlen;
darauf (folgt die Arbeit,) den ausgehobenen Graben anderweitig
zu füllen
und für den Fahrbahnbelag ein Bett zu bereiten,
damit die Böden nicht schwanken,
damit die Unterlage nicht zu knapp bemessen ist
und unterschiedlich reagiert, wenn die Steine in das Bett
gepreßt werden.
Dann (folgt die Arbeit,) mit von hier und dort
zusammengetragenen Wackersteinen
und vielen Verankerungen den Weg festzuhalten
...
...Man vereinigt das Bauwerk
mit gebranntem Staub (Töpfererde?)und schwarzem Tuff.
"Alle Straßen führen nach Rom" sagte man schon in der Antike. Es bedeutete eigentlich, daß man auf verschiedene Arten zu den letzten Wahrheiten gelangen konnte, aber wörtlich genommen hat diese Redensart auch einiges für sich, denn alle großen Straßen scheinen sternförmig auf Rom zuzulaufen.
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Die bekannteste Art der römischen Straßen dürften die gepflasterten darstellen. Sie galten ab etwa 300 v. Chr., als die Via Appia, die regina viarum (Königin der Straßen), gebaut wurde und die Römer begannen systematisch Straßen anzulegen, für einige Jahrhunderte als die Vollendung der Straßenbautechnik.
Schon 450 v. Chr. legte das Zwölftafelgesetz (Einstiges Stadtrecht der republikanischen Stadt Rom) die Straßenbreite fest: "Die Wegbreite ist [...] im geraden Stück acht Fuß (2,48 m), bei Biegungen sechzehn Fuß (4,96 m)." Die Straßen mußten in den Kurven größer sein, da die Römer recht primitive Wagen hatten, die nur selten mit einer schwenkbaren Vorderachse ausgestattet waren. Die ersten römischen Straßen waren recht einfache Anlagen. Sie bestanden nur aus festgestampfter Erde, die mit Kies beworfen wurde. Mit der Zeit sammelten die Römer dann Erfahrungen im Straßenbau, doch man ist sich heute einig, daß sie die Grundlagen für den Bau ihrer Pflasterstraßen von dem ebenso begabten wie geheimnisvollen Volk der Etrusker übernahmen, die bereits ca. 400 v. Chr. die ersten gepflasterten Straßen besaßen.So kam es, daß 312 v. Chr. der Censor Claudius Appius Caecus veranlaßte, die Via Appia anzulegen, als Ergänzung zu der 334 v. Chr. gebauten Via Latina, die Rom mit der neuerworbenen Kolonie Calvi bei Capua (ca. 150 km entfernt) verband. Zu Anfang war die Via Appia eine Kiesstraße von 6 m Breite. Im Gegensatz zur Via Latina, die eine einfache Verbindung darstellte, sollte sie dazu dienen, feindliche Völker im Süden Italiens zu unterwerfen. 244 v. Chr. bis Brundisium (Brindisi) verlängert und von 295 bis 123 v. Chr. gepflastert, stellte sie, wie schon erwähnt, für mehrere Jahrhunderte die Vollendung der Bautechnik dar und viele andere Straßen wurden nach ihrem Vorbild erbaut. Erst im 1. Jh. n. Chr. als die militärischen Beweggründe für den Straßenbau an Wichtigkeit abnahmen und der Reisekomfort überwog, kehrte man zu den Kiesstraßen zurück, allerdings in etwas verbesserter Form. Sie besaßen jetzt ein Fundament, ähnlich dem der Pflasterstraßen. Der Vorteil der gekiesten Straßen war, daß Wagen darauf komfortabler rollten. Für etwa ein Jahrhundert existierten diese beiden Bauarten nebeneinander, doch ab dem 2. Jh. n. Chr. wurden nur noch Kiesstraßen angelegt. Die Gründe für diesen Wandel finden sich auch in der Ausdehnung des römischen Reiches, denn in vielen außeritalischen Gegenden gab es keine Steine wie Lava oder Basalt, die als Straßenpflaster geeignet waren.Der Wunsch nach mehr Reisekomfort veränderte auch die Straßenführung. Es wurde auf geringe Steigung (früher bis zu 15 %) und direkte Verbindungen geachtet. Wo die Gegend sich widersetzte, wurde sie angepaßt. So wurden Hügel eingeschnitten, kleine Seitentäler mit Dämmen oder Viadukten überquert, Senkungen aufgeschüttet, neue Brücken gebaut und sogar Tunnel von mehreren hundert Metern Länge gegraben. Anstelle der 450 v. Chr. vorgeschriebenen Straßenbreite von 2,48 m bzw. 4,96 m und der 3,5 - 4 m (+ 2 m Bürgersteig) der Pflasterstraßen, hatten sie jetzt eine Breite von mindestens 6 - 8 m, einzelne Prachtstraßen brachten es sogar auf 12 m. In dieser Zeit entstanden de meisten der schnurgerade durch die Landschaft geschnittenen Strecken, die für viele ein Merkmal der römischen Straßen sind.
Nach den geschichtlichen Details jetzt zu den technischen:Zu den alten Kiesstraßen gibt es nicht viel zu sagen. Für sie wurde der Untergrund festgestampft und mit Kies beworfen.Die Beschreibung der Pflasterstraßen dagegen ist etwas komplizierter, allein deshalb, da sie häufiger erhalten blieben und uns über sie mehr überliefert wurde.
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Vermesser mit Groma (Visierinstrument zur Landvermessung) |
Es verwundert nicht, daß die meisten
Straßenbauexperten der Armee angehörten, denn, wie bei ihrer
Streckenführung am deutlichsten wird, dienten diese Straßen
meistens militärischen Zwecken:
So war es am geeignetsten, wenn die Straße auf halber Höhe an
einem Hügel angelegt wurde, denn ein auf der Kuppe
marschierendes Heer ist leicht zu entdecken und ein Heer im oft
sumpfigen Talgrund hat Angriffe von den Anhöhen zu fürchten.
Die Straße sollte außerdem, wenn es das Gelände erlaubte,
möglichst direkt zwischen dem Hauptheerlager und den Grenzen
verlaufen und größere Ortschaften umgehen, sofern diese nicht
ausdrücklich als Etappen- oder Unterkunftsorte für Truppen
vorgesehen waren, um den Durchmarsch nicht zu verzögern. Ihre
durchschnittliche Breite erlaubte den Soldaten in ihren gewohnten
Sechserreihen zu marschieren, beziehungsweise 2 Fahrzeugen gut
aneinander vorbeizukommen. Das Hauptanliegen der Erbauer war es,
eine schnelle Truppenverlegung zu jeder Jahreszeit und Witterung
zu ermöglichen.
Als Vorbereitung zum Bau einer solchen Straße wurde zuerst einmal in einer Breite von 60 m auf jeder Seite die Gegend gerodet, um Angriffen aus dem Hinterhalt vorzubeugen und dann der Boden bis zu einer festen Sohle abgetragen, oder, wenn dies nicht ging, mit Holzpfählen verstärkt. Als nächstes wurden im Abstand von 12 - 15 Metern zwei Längsgräben ausgehoben, die den Lauf der Straße festlegten und als Entwässerungsgräben dienten. Der Aushub dieser Gräben wurde zu einem bis zu einem Meter hohen Damm, agger (lat. für: Erdwall") genannt, aufgeschüttet, auf den eine Schicht Sand zum Planieren kam. Der agger machte die Straße zu einer leicht zu verteidigenden Stellung.
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Querschnitt durch eine römische Straße |
Nun folgte der Bau des eigentlichen Straßenkörpers (Die
Terminologie dieses Abschnittes entstammt den vagen
Beschreibungen Vitruvs und kann sich auch auf den Fußbodenbau
beziehen.):
Zuerst kam das statumen (lat. für: Stütze). Es war 25 - 60 cm
hoch und bestand aus meistens hochkant gestellten, flachen,
größeren Natursteinen und z. T. auch Mörtel.
Darauf lag eine Schicht kleinerer Steine (etwa faustgroß), die
mit Zement stabilisiert wurde, das rudus (lat. für:1.
"zerkleinertes Gestein", 2. "Mörtel") oder
die ruderatio (lat. für: "Schüttung").
Als nächstes folgte der nucleus (lat. für: "Kern"),
eine aus etwa nußgroß zerkleinertem Gestein, Kies, grobem Sand,
heißem Kalkmörtel und Beton verdichtete Lage. Sie war etwa 30
cm dick.
Den Abschluß bildete der Fahrbelag, die summa crusta (lat. für:
"oberste Rinde"), manchmal auch pavimentum (lat. für:
"Estrich") oder summum dorsum (lat. für:
"oberster Buckel") genannt. Sie bestand aus ca. 60 x 60
cm großen und 25 cm dicken Steinplatten (Lava oder Basalt), die
säuberlich zu einem Straßenpflaster zusammengefügt wurden und
etwas geneigt waren, damit das Regenwasser abfließen konnte. In
manchen Quellen heißt es noch, daß in die summa crusta
teilweise schienenartige Fahrrinnen eingearbeitet waren, die der
Spurbreite der Wagen der kaiserlichen Post entsprachen, doch es
könnte sich auch um Spurrillen handeln, die erst mit der Zeit
ausgefahren worden waren.
Dies ist das Baumuster einer "perfekten" Straße und
es ist nur natürlich, daß bei normalen Straßen manchmal eine
Schicht weggelassen wurde oder aus einem anderen Material
gefertigt wurde, wie z. B. bei der Via Annia (geht durch
Südetrurien), wo eine dicke Schicht kalkvermischter Ton die
Steine des statumen ersetzen mußte.
Normalerweise verliefen neben einer Via auf beiden Seiten sog.
crepidines, margines oder semita (lat. für: "oberster
Buckel"), eine Art Bürgersteige mit Lehm- oder Sandboden,
die ursprünglich als Versorgungswege für Reparaturtrupps
gedacht waren, aber später oft von Reisenden benutzt wurden, da
sie schonender für die Bandscheiben als Steinpflaster waren.
Außerdem gab es an offiziellen Römerstraßen des öfteren im
Abstand von ca. 12 m größere Steine am Rand, von denen man
denkt, daß es steinerne Aufsitzhilfen für Reiter waren, da der
Steigbügel erst um 700 n. Chr. in Europa eingeführt wurde.
Die fertige Straße verlief z. T. bis zu 2 Metern hoch über dem natürlichen Erdboden. Wenn die summa crusta des öfteren gewartet wurde, da es durch Feuchtigkeit, wechselnde Temperatur und starken Verkehr zu Verwerfungen und Abnützung kommen konnte, benötigten diese Straßen im Normalfall, aufgrund ihrer massiven Bauweise, erst nach ungefähr 100 Jahren größere Reparaturarbeiten.
Die später gebauten Kiesstraßen hatten ein statumen wie die gepflasterten Straßen, auf das Kies geworfen wurde, der mit Hilfe von Walzen, die von Sklaven oder Ochsen gezogen wurden, verfestigt und von Randsteinen gehalten wurde. Ab und zu wurden auch diese Straßen an stärker belasteten Stellen, wie Ortseingängen, gepflastert, aber die einfacher zu wartenden Kiesstrecken überwogen.
Nach diesen Beschreibungen interessiert wahrscheinlich, wie der Bau eine Straße finanziert wurde und wer sich dafür abrackern mußte. Dazu muß man zwischen den drei Typen von Straßen unterscheiden.
Die viae publicae ("Staatsstraßen") oder viae militares ("Heerstraßen") wurden zentral von Rom aus geplant, bezahlt und gebaut. So schreibt Diodorus Siculus in dem Geschichtswerk "Historische Bibliothek", daß der Bau der Via Appia die öffentlichen Kassen total erschöpft habe. Außerdem ist von Julius Caesar überliefert, daß er um den Straßenbau zu finanzieren, Sklaven verkauft habe und Statuen, die zu seinen Ehren errichtet worden waren, einschmelzen ließ. Aber der Staat konnte auch auf Unterstützung von Privatleuten hoffen, da diese ihren Namen gerne auf Meilensteinen sehen wollten. Um eine Vorstellung der Kosten zu bekommen, sei hier gesagt, daß im 2. Jh. n. Chr. die Wiederherstellung einer Meile der Via Appia 100.000 Sesterzen (knapp 20.000 DM) kostete. Die gesamte Via Appia mit ihren ca. 364 röm. Meilen (ca. 539 km) dürfte also etwa 6,7 Millionen DM gekostet haben. (Zum Vergleich: Ein Meter heutige Autobahn kostet ca. 11.000 DM. Umgerechnet auf die Via Appia wären das etwa 6 Milliarden DM, ungefähr die Hälfte des 1982 für Straßenbau und -instandhaltung ausgegebenen Geldes der BRD).
Viae publicae wurden meistens von Soldaten und von zu Zwangsarbeit verurteilten Menschen gebaut. Die Armee wurde deshalb herangezogen, da sie z. B. 68/69 v. Chr. 360.000 Mann umfaßte, die aber nicht alle im Kriegsdienst standen und trotzdem bezahlt werden mußten, und anstatt nun zusätzlich Arbeitskräfte für den Straßenbau zu finden, war es billiger, Soldaten zu nehmen. Bei ihnen war diese Plackerei natürlich nicht sehr beliebt und es gab genug Drückeberger, wie z. B. Julius Apollinaris, von dem einige Briefe aus Ägypten an seine Eltern erhalten sind. Da er des Lesens und Schreibens mächtig war, bewarb er sich gleich zu Anfang als Librarius (Sekretär) und wurde prompt Legionslibrarius mit Aussicht auf Beförderung. Damit war er ein Principalis, ein Soldat, der aufgrund besonderer Aufgaben, wie Librarius oder Handwerker, von den allgemeinen Dienstleistungen, u. a. Straßenbau, freigestellt war. Julius Apollinaris frohlockte in einem Brief an seine Mutter: "Ich danke dem Gott Serapis und einem gütigen Schicksal. Während alle anderen den ganzen lieben langen Tag schuften und Steine klopfen, bin ich jetzt ein Principalis, stehe herum und brauche nichts zu tun." Die Soldaten kannten die Straßen aber nicht nur vom Bauen. Durch den Militärschriftsteller Vegetius ist uns überliefert, daß die Soldaten in den Sommermonaten in voller Ausrüstung (40 kg) einen Marsch von 20 - 24 röm. Meilen (ca. 45 - 53 km) in 5 Stunden absolvieren mußten. Hierbei entwickelten sie den Vorgänger des Stechschritts, um nicht über unebene Steinplatten im Pflaster zu stolpern.
Im Gegensatz zu den Soldaten waren die Zwangsarbeiter arm
dran, denn bei Ausgrabungen entlang von Römerstraßen findet man
des öfteren Skelette von Strafgefangenen, die wahrscheinlich vor
Erschöpfung starben und mitsamt ihren Ketten verscharrt wurden.
Es ist uns auch überliefert, daß es mit der Rechtssicherheit
nicht besonders weit her war, wenn gerade Arbeitskräfte für den
Straßenbau gesucht wurden. So genügte für einen Menschen aus
einer niederen Volksschicht, der auf keine Protektion zählen
konnte, eine Verurteilung wegen eines Garderobendiebstahls in
einem Bad, wegen übler Nachrede gegen eine Respektsperson oder
wegen eines ähnlichen "Schwerverbrechens". Manchmal
wurden auch Tatbestände erfunden um die Reihen der
Gratisarbeitskräfte zu füllen.
Was die Bauleistung betrifft, so waren die Römer recht flott,
denn sie lag z. B. in Großbritannien bei 2 - 7 Tagen für einen
Kilometer.
Die nächste Kategorie der Straßen waren die
viae vicinales, die Provinzstraßen. Sie mußten von Provinzen
gebaut und unterhalten werden. Auch größere Städte konnten
verpflichtet werden, eine Straße zur nächsten Ortschaft zu
bauen. Hierfür standen selten Soldaten als Arbeitskräfte zur
Verfügung, sondern Sträflinge und Sklaven der Gutsherren, deren
Besitz an die Straße grenzte, machten die Arbeit. Dabei hatten
es die Sklaven besser als die Sträflinge, denn sie stellten
lebendes Kapital ihrer Besitzer dar, das man nicht einfach
vergeudete.
Zur Instandhaltung dieser Straßen wurden teilweise auch junge
Männer aus einer Kommune verpflichtet, die zwei Jahre für die
Straße zu sorgen hatten.Die dritte Art von Straßen waren
Privatstraßen, sog. viae privatae, zwischen Gutshöfen und
kleinen Orten, die von Sklaven angelegt wurden.
Über die Zuständigkeit für Straßenbau lassen sich keine eindeutigen Aussagen treffen. Das einzige, was man recht sicher weiß, ist, daß der Senat das letzte Wort hatte. So wird von Claudius Appius Caecus berichtet, daß er mit dem Bau der Via Appia begann ohne den Senat zu befragen, worauf sich ein großes Gezeter erhob und Drohungen mit Rücktritt oder Rausschmiß laut wurden, besonders da er auch fast das gesamte Jahresbudget verplant hatte. Ansonsten nimmt man an, daß vor dem 2. punischen Krieg (lat. für: "oberster Buckel") die Zuständigkeit bei den Censoren lag, aber es gibt nur 6 Fälle (u. a. die Via Appia), in denen zweifellos bewiesen ist, daß ein Censor der Erbauer war. Dagegen gibt es 28 Fälle in denen ein Konsul den Bau veranlaßte. Deshalb wird vermutet, daß ein Censor den Bau einer Straße veranlassen konnte, solange sie über staatlichen Boden (ager publicus, solum publicum) ging. Für alle anderen Fälle mußte ein Beamter mit dem sog. ius publicandi zuständig sein, d. h. ein Konsul, ein Praetor oder in den Provinzen ein Prokonsul. Sie konnten privaten Grund und Boden enteignen und ihn dem Straßenbau zur Verfügung stellen. Dies wird dadurch bestätigt, daß man mit Hilfe genauer Nachforschungen und Überlegungen, die auszuführen hier zu lange wäre, zu dem Schluß kommt, daß Claudius Appius Caecus die Via Appia wahrscheinlich nicht in einem Stück bis Capua bauen lies, sondern während seiner Zensur 312 v. Chr. den Bau der Via Appia über solum publicum bis Formiae (2/3 der Strecke Rom - Capua) veranlaßte. Später, zur Zeit seines Konsulats, wurde 307 v. Chr. die Via Appia bis Capua verlängert, wozu Claudius Appius Caecus kraft seines Amtes das benötigte Land beschlagnahmte.
Was Gesetze in bezug auf den Straßenbau betrifft so scheint es eine lex viaria (Gesetz, die (Ausbesserung der) Wege betreffend) gegeben zu haben, auf das sich Plutarch bezieht, als er von den Bemühungen des Volkstribuns C. Gracchus um die italischen Straßen berichtet.
Für die Verwaltung der Straßen waren anfangs Offiziere oder Aedile zuständig. Julius Caesar machte sich später zum curator viarum (Verwalter der Straßen) und Augustus bestellte schließlich eigene Beamte dazu (viarum curatores).
Bei der Namengebung der Straßen lassen sich
genauso wenig sichere Aussagen machen. Es scheint kein
einheitliches System gegeben zu haben.
Die meisten Straßen um Rom heißen nach ihrem Zielort. Andere
scheinen nach ihrem Erbauer benannt worden zu sein, wie die Via
Appia. Es wäre auch denkbar, daß diese Straßen ihren Namen
nach den auf den Meilensteinen zu lesenden Namen ihrer Erbauer
durch Reisende erhalten haben, doch gibt es nur 3 Fälle als
Beweise für diese Theorie. Es scheint in der frühen Zeit für
die Erbauer von Straßen nicht so wichtig gewesen zu sein, wie
die Straße hieß, sondern nur, daß die Fora (Plural von Forum:
lat. für: "Marktplatz", öffentlicher Platz,
Mittelpunkt des geschäftlichen und öffentlichen Lebens), die
sie an ihnen erbauen ließen, nach ihnen benannt wurden und erst
später wurden dann die Straßen nach den Fora benannt.
In der Kaiserzeit trugen Straßen meistens den Namen des Kaisers,
bzw. Straßen, die er reparieren ließ, wurden nach ihm
umbenannt.
Erwähnenswert ist vielleicht noch der Fall der Via Gabiniana (im
ehemaligen Jugoslawien). Sie wurde von Soldaten der 7. Legion
zwischen 17 und 20 n. Chr. angelegt und zur Erinnerung an A.
Gabinius so benannt, der 48/47 v. Chr. hier eine Niederlage
erlitten hatte.
Als die Römer um 300 v. Chr. anfingen systematisch Straßen anzulegen, geschah es hauptsächlich aus dem Grund, daß der Kontakt zu einer Stadt oder Region, wo sie aufgrund eines Feldzuges oder eines Bündnisses Fuß faßten, nicht abbrechen konnte. Abgesehen von Zufahrtswegen für die Versorgung einer Stadt dienten diese ersten Straßen ansonsten vorwiegend militärischen Zwecken, wie der schnellen Truppenverlegung und der Grenzsicherung, was für das römische Reich lebenswichtig war, weil es sich ganz wesentlich auf seine Militärmacht stützte. Aber da eine Militärmacht nur so lange gefürchtet bleibt, wie sie ohne Zeitverlust Truppen mit unverminderter Schlagkraft überall einsetzen kann, braucht es dafür ein tadellos funktionierendes Verkehrswegesystem. Auch für die Nachrichtenübermittlung war das Straßennetz von größter Wichtigkeit, denn wie sonst sollte jeder Statthalter in den Provinzen von den jüngsten politischen Entwicklungen in Rom nur wenige Tage später erfahren.
Mit der Zeit nahmen die militärischen
Bedürfnisse für den Straßenbau ab, da das römische Reich in
der frühen Kaiserzeit eine stabile Ordnung im ganzen Abendland
sicherte und sich dadurch der internationale Handel entfaltete.
Alte Städte blühten auf, neue wurden gegründet und wollten mit
der Hauptstadt verbunden sein. Der internationale Handelsverkehr
ging in alle Richtungen. Außerdem gab es so etwas wie Tourismus.
Man reiste zur Weiterbildung nach Griechenland, machte eine Kur
in einem Heilbadeort oder eine fromme Pilgerreise zu einem
Heiligtum. Der daraus entstandene Wunsch nach mehr Reisekomfort
veränderte, wie schon erwähnt, die Art des Straßenbaus.
Für die Ausbreitung der römischen Kultur waren die Straßen von
entscheidender Bedeutung. Von der Nordsee bis an den Rand der
Sahara, vom Atlantik bis Mesopotamien verbanden sie Wirtschafts-
und Kulturräume, Militär- und Verwaltungszentren. Sie stellten
geradezu ein Symbol der Einheit des römischen Reiches dar. Da
viele Menschen in der Kaiserzeit im Laufe ihres Lebens wiederholt
von einer Ecke des Reiches in die andere verschlagen wurden,
verbreiteten sich mit ihnen Waren und Lebensgewohnheiten,
Kenntnisse und Nachrichten. Das ausgebaute Straßensystem war
Voraussetzung dazu.
Zur Verbreitung von Nachrichten richtete Augustus den cursus(
lat. für: "Lauf") publicus (lat. für:
"staatlicher") ein, eine Art Post, die aber
kaiserlichen Depeschen vorbehalten war. Der cursus publicus
bestand anfangs aus vertrauenswürdigen jungen Männern in
vormilitärischer Ausbildung, die die amtliche Post in einer Art
Stafette beförderten. Mit der Zeit befriedigte dieses
umständliche System nicht mehr und da immer mehr Nachrichten als
streng vertraulich eingestuft wurden, wurden die Briefe mitsamt
ihren kaiserlichen Sendboten chauffiert.
Als eine der ersten römischen Straßen gilt die
aus der Vorzeit stammende Via Salaria (von Rom an die Adria). Als
nächste große Straße folgte 334 v. Chr. die Via Latina, die
312 v. Chr. von der Via Appia ergänzt wurde, die von Rom nach
Capua und später über Tarentum (Tarent) nach Brundisium
(Brindisi) führte. Darauf folgte 241 v. Chr. die Via Aurelia;
sie läuft an der Westküste nach Norden bis Pisae (Pisa). 220 v.
Chr. wurde die Via Flaminia von Rom nach Ariminum (Rimini)
gebaut, die 187 v. Chr. von der Via Aemilia ergänzt wurde, die
in der heutigen Emilia Romagna und der Poebene verläuft.
Aus dieser Zeit stammen außerdem noch die Via Cassia und Via
Postumia. Im Zusammenhang mit den punischen Kriegen (264 - 146 v.
Chr.) überschritten die Römer mit der Via Egnatia Italien. Sie
führte jenseits der Adria die Linie Rom - Brindisi fort.
Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr., Kaiser ab 31 v. Chr. ) baute
besonders die Alpenstraßen aus, sein Mitarbeiter Agrippa die
Straßen in Gallien, den Rheinlanden und Spanien. Als Alpenpässe
wurden von den Römern schon der Große Sankt Bernhard, der San
Bernardino, der Simplon, Maloja, Splügen, Julier, Brenner,
Septimer, der Paß bei Tenda und Montgenèvre benutzt. Die
größte Ausdehnung erreichte das römische Straßennetz mit
85.000 km unter Traian (ca. 110 n. Chr.). Dazu kamen noch
ungefähr 300.000 km nicht ausgebauter Straßen. (Zum Vergleich:
Die BRD hatte 1982 ca. 40.000 km Autobahnen und Bundesstraßen).
Die längste von Römern gebaute Straße dürfte mit 2.000 km
Länge die Via Nerva sein. Sie verbindet Gibraltar mit
Alexandria.
Für die Römer war Reisen eine Anstrengung, die man lieber vermied, die aber angesichts der Ausdehnung des Reiches immer notwendiger wurde. Die römischen Straßen dienten trotzdem mehr der Personen- als der Güterbeförderung, denn besonders die schweren Transporte wurden auf das Wasser verlegt und nur die nötigsten Dinge, wie für die Versorgung einer Stadt, auf der Straße transportiert. Man reiste, wenn es möglich war, in einer größeren Gruppe, da dies mehr Schutz gegen Straßenräuber bot.
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| Essedum oder cisium |
Es gab, je nach Bedürfnis des Reisenden, eine Vielzahl verschiedener Wagen. Wollte man recht schnell vorwärtskommen und hatte wenig Gepäck, so nahm man einen zweirädrigen Wagen wie das essedum, das wahrscheinlich einem keltischen Kriegswagen nachempfunden war, oder das cisium, das leichter als das essedum war und für kurze Strecken auf guten Straßen verwendet wurde. Für sehr kurze Wege und den Stadtverkehr gab es das elegante carpentum oder die lectica. Diese Wagen waren mit bis zu 2 Pferden oder 3 Maultieren bespannt. Bei größerem Gepäck war ein vierrädriger Wagen unerläßlich, doch auch hier gab es verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Das schnellste Gefährt war die carruca. Man konnte in ihr sogar während der Reise schlafen (carruca dormitoria). Sie scheint eine Art "Luxuskarosse" gewesen zu sein, denn sie war reichlich mit Quasten und Gold verziert. In der ausgehenden Kaiserzeit war die raeda sehr beliebt, ebenso das pilentum, das von Maultieren, die Glöckchen trugen, gezogen wurde. Zum Warentransport wurde das plaustrum benutzt oder bei schweren Lasten das serracum oder das saccarium. Alle drei besaßen Scheibenräder aus Holz und wurden von Ochsen gezogen. Im Heer fand besonders der carrus und das clabularium Verwendung, wobei der carrus auch von den Kelten stammte.
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| Raeda oder Carruca |
Die meisten der römischen Wagen besaßen bis auf einige Ausnahmen starre Achsen. Das hieß für einen Reisenden, so schnell er auch fahren könnte, wenn er einmal in die Spurrillen auf den Straßen hineingeraten war und versuchen wollte ein langsames Ochsengespann zu überholen, riskierte er mindestens einen Achsenbruch. Da die römischen Wagen auch keine Bremsen hatten, war es besonders an Steigungen oder Gefällen sehr gefährlich, wenn die Zugtiere keinen Halt mehr fanden oder ins Rennen gerieten. Verletzte und Verkehrstote waren keine Seltenheit.
Trotz dieser Vielzahl an Wagen gab es noch einen großen Teil
der Bevölkerung, wie arme Leute und Legionäre, die zu Fuß
reisten. Dies war bei weitem die beschwerlichste und
gefährlichste Art, sich auf Roms Straßen fortzubewegen, da
Ortschaften oft mehrere Tagesmärsche auseinander lagen und man
sich trotz Maßnahmen gegen Straßenräuber nicht immer der
Absichten der anderen Straßenbenutzer sicher sein konnte. Also
benutzte man, sobald man sich es leisten konnte, einen Esel, der
recht robust war und auch noch zusätzliche Lasten tragen konnte.
Ansonsten gab es noch die Möglichkeit, eine Sänfte zu benutzen
oder zu reiten. Die Sänfte wurde im Stadtverkehr bevorzugt,
wobei reiche Leute eine Meute Hunde oder Sklaven vorausschickten,
um den Weg zu räumen und auf sich aufmerksam zu machen. Auf
längeren Reisen war sie nur etwas für Personen, die sich
gemächlich durch die Gegend schaukeln lassen wollten. Die
schnellste Art zu reisen war natürlich zu Pferd, doch diese
waren teuer und nur höheren Gesellschaftsschichten vorbehalten.
Da Pferde außerdem bei gewissen klimatischen Bedingungen weniger
geeignet waren und auch zusätzlich zum Reiter keine großen
Lasten tragen konnten, machten auch sie nur einen kleinen Teil
der Straßenbenutzer aus.
Staatsbeamte auf Dienstreisen waren ursprünglich die einzigen,
die die Postkutschen des cursus publicus benutzen durften, doch
mit der Zeit bekamen Privatleute heraus, wie sie ihre
(Geschäfts-) Reisen im Interesse des römischen Staates
präsentieren konnten, um Sondergenehmigungen zu bekommen, denn
mit den Postkutschen, die bis zu 85 km am Tag zurücklegten, lies
es sich gut und schnell reisen. Die Übernachtung machte hierbei
auf den ersten Blick auch wenig Probleme, da viele der ungefähr
1850 Poststationen (von posita statio, etwa
"Zwangshalt") auch Herbergen waren. Man konnte also die
Nacht im "Ad Decem Pagos" (Zu den zehn Gauen), dem
"Ad Aquilam" (Zum Adler) oder doch lieber im "Ad
Rotam" (Zum Rad) oder dem "Ad Draconem" (Zum
Drachen) verbringen. Wenn man aber den Überlieferungen Glauben
schenken darf, so waren diese Unterkünfte die reinsten
Halsabschneiderbuden, von Ungeziefer verseuchte Löcher und
düstere Stuben voller zwielichtiger Gestalten. Es wird von
Reisenden berichtet, die ein Gasthaus betraten, danach aber nie
wieder gesehen wurden, und wenn man Galen, dem Leibarzt von Marc
Aurel (Marcus Aurelius Antoninus, 121 n. Chr. - 180 n. Chr.,
Kaiser ab 161 n. Chr., bis 169n. Chr. zusammen mit Stiefbruder L.
Verus), Glauben schenken darf, so stammte das Schweinefleisch,
das in den Wirtschaften serviert wurde nicht immer von Schweinen,
sondern auch von den auf Nimmerwiedersehen verschwundenen
Reisenden. Viele dieser Gasthäuser betrieben gleichzeitig auch
Bordelle, besonders, da auf der Via Appia aus Brundisium immer
"frische" Mädchen und Jungen (!) in Sklaventransporten
aus dem Orient gebracht wurden. Deshalb schlugen vermögende
Römer von gutem Ruf lieber mitsamt ihrer Dienerschaft am
Straßenrand Zelte auf, und dem wahren "Mann von Welt"
genügte sein Name, um ihm die Türen der besten Privathäuser zu
öffnen, natürlich mit der unausgesprochenen Erwartung, daß er
sich bei nächster Gelegenheit revanchieren wird.
Die Reisekleidung des Römers bestand aus einer knielangen Tunika
und einem Wollumhang mit Kapuze zum Schutz gegen Kälte und
Regen. Außerdem trug man einen Stock bei sich, um sich an
Steigungen abstützen zu können oder um streunende Hunde
abzuwehren. Wenn man allein in gefährlichen Gegenden reiste,
empfahl es sich auch ein Kurzschwert oder eine ähnliche Waffe
mitzunehmen.
In puncto Reisegeschwindigkeit wurden bei den Römern viele
Rekorde aufgestellt und wieder gebrochen. So brachte es M.
Porcius Cato 191 v. Chr. auf der Strecke Rom - Brindisi zu einer
Tagesleistung von 121 km. Caesar übertraf ihn bei Ausbruch des
Gallischen Krieges (58 - 51 v. Chr.) mit 150 km. Der amtliche
Geschwindigkeitsrekord lag später unter Tiberius (*42 v. Chr.
+37 n. Chr., Kaiser ab 14 n. Chr. ) bei ca. 300 km pro Tag. Im
Durchschnitt betrug die Geschwindigkeit eines normalen Reisenden
30 km am Tag, die eines Postboten das doppelte.
Bei dem Straßennetz der Römer und den sonstigen dazugehörigen
Einrichtungen, wie Herbergen und Polizeistationen, verwundert
eines: Es gab so gut wie keine Straßenkarten. Eine erhaltene
sind die Peutingerschen Tafeln, die allerdings keine große
Genauigkeit aufweisen. Ein Reisender hatte also wenig
Möglichkeiten, eine Reise in ein ihm unbekanntes Gebiet zu
planen. Daraus entwickelte sich ein neues Gewerbe, von dem wir
denken, daß es eher eine Errungenschaft unserer Zeit ist: das
Reisebüro. Hier konnten sich dann Personen, die im Begriff waren
zu reisen, Informationen holen, wie Ortschaftsverzeichnisse,
Reisebeschreibungen und Wirtshauslisten für die wichtigsten
Strecken. Die Reiseberater mußten sich dauernd durch
Mittelsmänner in den verschiedensten Provinzen auf dem neuesten
Stand halten, denn der, der die aktuellsten und zuverlässigsten
Auskünfte erteilen konnte, machte am meisten Profit.
| Meilenstein, gefunden am Ofanto bei Cannae, jetzt in
Barletta: LXXXIX (milia passuum
Romam) 79 Meilen nach Rom (Aus: Römische Inschriften, S. 160) |
An den Straßen dienten außerdem Meilensteine als Orientierungshilfe. Von ihnen kennt man ungefähr 4.000 Stück. Sie waren meistens 1,5 - 4 m hohe Steinsäulen, auf denen neben der Entfernung zur nächsten Stadt auch der Name des Erbauers und des Förderers der Straße stand. Viele von ihnen tragen auch langatmige Kaiserinschriften, zu deren Verständnis man wissen muß, worum es sich handelt.
In der Regel finden sich Meilensteine im Abstand von einer
röm. Meile (1,4815 km). Daß sie an manchen Strecken nur
spärlich oder gar nicht vorhanden sind, versucht man mit
Sparmaßnahmen zu begründen, aufgrund derer Meilensteine auch
aus Holz gefertigt wurden und nicht überdauerten. Der
bekannteste Meilenstein ist der 20 v. Chr. aufgestellte
"Goldene Meilenstein" des Augustus, der sich auf dem
Forum Romanum beim Saturntempel befand und dessen Trommel heute
noch dort liegt.
Auf ihm standen auf vergoldeten Bronzetafeln die Entfernungen zu
den wichtigsten Städten des Reiches und er war der symbolische
Ausgangspunkt aller Verkehrsverbindungen. Ein weiterer Verdienst
Augustus' ist, daß er Marcus Agrippa 20 Jahre lang das römische
Reich kartographieren lies. Seine Arbeiten und die im 2. Jh. n.
Chr. von Claudius Ptolemäus geschriebene Anleitung zur
Erdbeschreibung waren später die Grundlage für die römischen
Itinerare, das sind Listen mit Ortschaften und den Entfernungen
zwischen ihnen, die manchmal auch Informationen über
Straßenzustand, Abkürzungen und Furten lieferten. Das
bekannteste von ihnen ist das antoninische, das ca. 300 n. Chr.
angefertigt wurde. Eine andere berühmte Karte soll Julius Caesar
besessen haben. Sie war eine goldgetriebene Abbildung des
römischen Reiches und seiner Straßen, auf der Edelsteine die
großen Städte darstellten.
In Vicarello in Mittelitalien, einem berühmten Kur- und Badeort der Antike, fand man kleine Nachbildungen von Meilensteinen, die z. T. mit sämtlichen Stationen von Spanien bis Vicarello beschriftet waren. Sie dienten wahrscheinlich als Reiseführer und wurden einer Gottheit am Ende der Reise als Weihegeschenk gegeben. (Vielleicht der Stata Mater, Genossin des Vulcanus und Schutzgöttin der Straßen).
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| Ausschnitt aus den Peutingerschen Tafeln |
![[Asterix 1]](asterix1.jpg)
Straßen in den Städten wurden bei
Neugründungen bevorzugt rechtwinklig ausgerichtet, denn dies
erlaubte einen besseren Überblick und eine Einteilung in
Stadtviertel. Die Straßen waren meistens gepflastert. Damit
Fußgänger sauberen und trockenen Fußes von einem Gehsteig zum
anderen kommen konnten, hatten sie erhöhte Steine im Pflaster,
über die man gehen konnte und zwischen denen Karren oder Wagen
gut hindurch fahren konnten. Außerdem mußten die Erbauer von
Privathäusern auf eigene Kosten den Gehweg an ihrem Grundstück
überdachen lassen, damit es auf dem Gehweg schattig und bei
Regen trocken war.
Ein besonderes Kennzeichen städtischer Straßen scheint gewesen
zu sein, daß sie ständig überfüllt waren. So war das
Stadtzentrum von Rom seit 45 v. Chr. zwischen 6 und 16 Uhr für
Fahrzeuge, besonders die der Zulieferer, die Rom versorgten,
gesperrt, mit einigen Ausnahmen, die mit der Zeit immer häufiger
wurden. So beklagte sich Juvenal (Decimus Iunius Iuvenalis,
Satirendichter, ca. 60 - 130), daß man am Tag kaum durch das
Gewühle kam und nachts kein Auge zukriegte, weil "die Wagen
durch enger Gassen Gewinkel rumpeln, Herden sich stauen und die
Flüche der Treiber hallen." Außerdem wurden
Einbahnstraßen, Parkverbote und markierte Parkplätze
eingeführt. 50 n. Chr. wird dieses Verbot Caesars auf alle
italienischen Städte ausgeweitet und 125 n. Chr. sieht sich
Hadrian gezwungen, die Anzahl der Fahrzeuge, die nach Rom hinein
durften noch weiter zu beschränken. An den Stadttoren befanden
sich deshalb meistens Mietwagenfirmen, da es sich für einen
normalen Bürger nicht lohnte, sich ein Gefährt samt Zugtier zu
kaufen.
Die meistbefahrenste Straße dürfte die Via Portuensis zwischen
Rom und Ostia gewesen sein, die zur Bewältigung des großen
Verkehrsaufkommens zweispurig gebaut worden war und deren
Mittelstreifen Fußgängern vorbehalten war.
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| Römische Straße in Pompeji. Die Räderspuren sowie die Steine zum Überqueren der Straße sind noch deutlich sichtbar. |
Für den Verfall der Straßen gibt es eine Vielzahl an
Gründen. Die Entwicklung bahnte sich von langem an.
Verschwenderische Importe von Luxusartikeln und hohe
Militärlasten ließen die Volkswirtschaft (Gesamtheit der
Einzelwirtschaften eines Staatsgebietes) schrumpfen; was sich in
Jahrhunderten zu einer Geldwirtschaft (Wirtschaftsform, in der
der Güteraustausch aus zwei versch. Kaufakten besteht (Waren
gegen Geld, Geld gegen Waren)) mit einem weltweiten Handel
entwickelt hatte, fiel unter der Teuerung zu einer reinen
Warenwirtschaft zusammen. Da das Geld kaum mehr etwas wert war,
hielt man sich wieder an die Naturprodukte und kehrte an manchen
Orten zu einem primitiven Tauschhandel zurück. Die großen
Städte waren kaum mehr lebensfähig: viele verfielen, andere
verloren an Einwohnern. Da der Handel mancherorts auf Null
zurückging, wurden die Straßen kaum mehr gebraucht und, da der
Staat ohnehin die nötigen Mittel nicht mehr aufbrachte, auch
nicht mehr unterhalten.
Als 401 n. Chr. die Westgoten unter Alarich ins römische Reich
einfielen und 410 als erste Armee seit 800 Jahren Rom einnahmen,
war es um die Straßen geschehen, denn die neuen Herren des
römischen Reiches konnten mit ihnen nichts anfangen. Sie hatten
kein Geld für die Instandhaltung und keine zentrale Verwaltung,
die sich um die Straßen kümmerte. Es bestand kein Bedarf an
weiten Reisen und kein Interesse an städtischem Leben. Eine
weitverbreitete Verteidigungsstrategie gegen Plünderer und
neidische Nachbarn bestand darin, alle Durchgangsstraßen zu
schließen. Außerdem lagen viele der neuen Siedlungen in
Flußtälern und damit weitab von den römischen Straßen. Oft
wurden auch die Steine der Straßen für andere Bauten verwendet.
Der meiste Verkehr zu Land wurde auch wieder zu Fuß bewältigt.
Leichtere, wertvollere Fracht wurde auf unbeschlagenen Lasttieren
transportiert, schwere Fracht zu Wasser. Reisende zu Fuß gingen
lieber auf festgetretenem Boden als auf Steinpflaster und
benutzten somit vorzugsweise die alten Saum- und Viehpfade. Unter
den Eroberungsvölkern herrschte auch die Ansicht, daß die
Benutzung eines Wagens unter der männlichen Würde sei, und
deshalb ritten sie lieber.
Aber trotz all dieser widrigen Umstände, findet man immer
noch Überreste und Auswirkungen des römischen Straßennetzes in
unserer Zeit. So trugen bis ins 19. Jh. römische Straßen den
Großteil des europäischen Verkehrs. Selbst nach der Einführung
der Eisenbahnen folgten diese meist den Trassen aus der
Römerzeit. Und selbst diejenigen, die die Römer als Herrscher
abgelöst hatten und die Straßen verfallen ließen, profitierten
später von ihnen. Die Germanen übernahmen nach einiger
Gewöhnungszeit die Art der römischen Stadtanlagen (z. B. die
"Lauben" in Bozen: überdachte Gehwege). Außerdem
diente die Via Claudia Augusta von Verona über den Brenner nach
Augsburg (Augusta Vindelicum) den Herrschern des Mittelalters
für ihre Italienzüge.
Die römische Brückenbautechnik wurde erst durch den Einsatz von
Stahlbeton in unserer Zeit übertroffen.
12.000 km der heutigen italienischen Straßen sind nichts anderes
als renovierte Römerstraßen und einige der von Römern
angelegten Tunnel sind auch noch in Betrieb. Einige der
Staatsstraßen tragen auch noch ihre alten Namen, wie. die Via
Appia, Via Cassia, Via Flaminia, Via Latina, Via Salaria, Via
Aurelia, Via Tiberina, Via Lauretana, Via Tiburtina, Via
Domitiana, Via Nomentana, Via Praenestina und die Via Severiana.
Auch haben wir unser Wort "Straße" den Römern zu
verdanken, denn eine Straße bauen hieß "viam munire"
oder "viam sternere" und "Straße" leitet
sich von der 3. Stammform von "sternere", nämlich
"stratus,-a,-um" (gebaut) ab.
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| Moderne Schilder - alte Namen |
Sie ist die bekannteste Straße der Römer, was wahrscheinlich
daran liegt, daß sie am besten erhalten ist. Sie lief früher am
Circus Maximus und den Caracallathermen vorbei, nach denen dieses
Teilstück jetzt benannt ist und verläßt Rom heute durch die
Porta San Sebastiano. Danach säumen sie, damals wie heute,
Villen berühmter und reicher Personen, die aus der lauten Stadt
fliehen. Für Kaiser Lucius Aelius Aurelius Commodus (161 - 193
n. Chr.) war ein Haus in dieser Gegend es wert, die Brüder
Quintilius ermorden zu lassen, weil sie sich weigerten, aus ihrer
Villa auszuziehen. Neben Villen stehen an der Via Appia auch
viele Grabmale aus der Römerzeit. Sie entstanden größtenteils
im 2. Jh. n. Chr., als die Erdbestattung anstelle der
Feuerbestattung bei den reichen Römern in Mode kam. Und da es
verboten war, innerhalb Roms jemanden zu beerdigen, ließen sie
sich entlang der Via Appia bestatten, an der es auch schon vorher
unterirdische sog. Columbarien für die Beisetzung von Urnen gab,
wie z. B. das des Pomponius Hylas.
Wenn man der Via Appia weiter folgt, kommt man zu der Kirche
"Domine Quo Vadis". Hier soll Petrus, als er aus Rom
floh, Jesus, der sein Kreuz schleppte, erschienen sein. Er fragte
ihn: "Domine quo vadis" - "Herr, wohin gehst
du?" und Jesus antwortete ihm: "Ich gehe für dich
zurück nach Rom und lasse mich ein zweites Mal kreuzigen".
Petrus ging darauf nach Rom zurück, wo er am Kreuz starb. Am
Eingang der Kirche werden heute die Fußspuren Jesu gezeigt.
Diese Überlieferung diente dem polnischen Schriftsteller Henryk
Sienkiewicz für seinen Roman "Quo vadis", der später
verfilmt wurde. Eine weitere Kirche an der Via Appia ist die
Kirche San Sebastian. In den Katakomben unter ihr sollen die
sterblichen Überreste von Petrus und Paulus versteckt worden
sein. Die Katakomben hatte man im 3. Jh. n. Chr. angefangen zu
bauen. Sie dienten nicht nur Christen, sondern auch allen anderen
die kein Geld für ein oberirdisches Grabmal hatten als
Grabstätte.
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| Endsäule der Via Appia in Brindisi |
Nach einem kurzen Stück Weg gelangt man zum Tempel des
Romulus und zu den gut erhaltenen Überresten des Circus
Maxentius (Kaiser Maxentius: 306 - 312 n. Chr.). Das bekannteste
Grabmal an der Via Appia, das runde der Cecilia Metella, der
Schwiegertochter von Crassus (Marcus Licinius Crassus Dives,
Triumvir mit Caesar und Tonpeius, um 115 - 53 v. Chr.), kommt
gleich danach. Es wurde im 13. Jh. n. Chr. zu einer Burg
umgebaut. Bevor die Via Appia in die Albaner Berge, das
Wasserreservoir Roms, eindringt, wird sie noch von vielen anderen
Grabmälern, wie das angebliche von Seneca, flankiert. Nach 88 km
in Terracina wird die Via Appia von den Resten des Tempels des
Jupiter Anxur aus dem 1. Jh. v. Chr. überragt. Nach weiteren 52
km in Formia liegt an ihr das Grab Ciceros. Im Jahre 71 v. Chr.
muß die Strecke zwischen Capua und Rom einen schrecklichen
Anblick geboten haben, denn an ihr waren 6000 gekreuzigte Sklaven
aufgestellt (d. h. alle 30 m ein Kreuz), die sich Spartakus
angeschlossen und gegen Römer gekämpft hatten. 63 km nach
Capua, in Beneventum lies Traian eine Abkürzung von 1 bis 2
Tagesreisen bis nach Brundisium bauen. In Brundisium markierten
einst zwei 20 m hohe Marmorsäulen am Hafen, von denen eine noch
an ihrem Platz steht und die andere nach Lecce gebracht wurde,
das Ende der Via Appia. Am 21. September 19 v. Chr. wurde Vergil
todkrank nach der Ankunft aus Griechenland von seinem Schiff zu
diesen Säulen getragen und starb hier am Ende der Via Appia und
am "Tor zum Orient", dem Hafen von Brundisium.
Die Via Appia, die ja eigentlich illegal gebaut worden war,
entwickelte sich von einer Straße für den Truppentransport zu
einem wichtigen Handelsweg für Waren aus dem Orient und für die
Versorgung der Riesenstadt Rom (damals knapp 1.5 Mio.
Einwohner).
| 450 v: Chr. | Zwölftafelgesetz legt Straßenbreite fest |
| 400 v. Chr. | Etrusker pflastern ihre Straßen, auf denen die Römer später aufbauen konnten |
| um 300 v. Chr. | Römer beginnen mit der systematischen Anlegung von Straßen |
| 334 v. Chr. | Bau der Via Latina um neuerworbene Kolonie Calvi bei Capua (jetzige Autobahn: ca. 170 km) zu erreichen |
| 312 v. Chr. | Beginn des Baus der Via Appia (6 m breit, gekiest), als besser befestigte Ergänzung zur Via Latina. |
| 250 v. Chr. | Römer entwickeln Pozzolanzemente |
| 244 v: Chr. | Via Appia bis Brindisi verlängert |
| 241 v. Chr. | Bau der Via Aurelia |
| 220 v. Chr. | Via Flaminia angefangen |
| 170 v. Chr. | nahezu ganz Rom gepflastert |
| 187 v. Chr. | Via Aemilia als Fortsetzung der Via Flaminia angelegt |
| 295 - 123 v: Chr. | Via Appia wird gepflastert |
| 246 - 146 v. Chr. | Punische Kriege, Römer überschreiten italienische Halbinsel |
| 50 v. Chr. | Römer führen Begrenzungen für Radlasten ein |
| 45 v: Chr. | Cäsar läßt das Stadtzentrum von Rom von 6 -16 Uhr für Fahrzeuge sperren,außer natürlich für die der Beamten, Priester, bedeutenden Bürger und Besuchern. Einführung von Einbahnstraßen und Parkplätzen neben den Straßen |
| 20 v. Chr. | Augustus läßt den Goldenen Meilenstein" auf dem Forum aufstellen. |
| 50 n. Chr. | Cäsars Verbot wird durch Claudius I. auf alle italienischen Städte erweitert. |
| 1. Jh. n. Chr. | Tiberius läßt Polizeistationen an allen größeren Straßen einrichten |
| 110 n. Chr. | Größte Reichsausdehnung unter Traian, 85.000 km erstklassige Straßen |
| 125 n. Chr. | Hadrian sieht sich gezwungen, die Anzahl der Fahrzeuge, die nach Rom hin ein durften, weiter zu beschränken. (180 werden Verbote auf alle Städte übertragen) |
| 130 n. Chr. | Hadrian läßt Via Appia weiter ausbauen, V.A. bis in 6. Jahrhundert. in Gebrauch |
| um 300 n. Chr. | antoninisches Itinerar wird zusammengestellt. |
| 300 n. Chr. | Römisches Reich begann zu schrumpfen |
| 401 n. Chr. | Westgoten fallen unter Alarich erfolgreich in das römische Reich ein |
| 410 n. Chr. | Westgoten erobern als erste Armee seit ca. 800 Jahren Rom |
05.06.96, Susanne Klischat - Internet: 1.Auflage 25.10.96, bearbeitet von Martin Kasemann (Danke!). 2. Auflage: 14.04.99 überarbeitet von Susanne Klischat